Einfache Sprache ist leicht. Und spätestens seit dem Barrierefreiheitsgesetzt 2025 spricht jeder und jede von ihr. Zumindest dann, wenn man sein Angebot für alle zugänglich machen will. Und wenn man sich an die gesetztlichen Vorgaben hält. Klingt kompliziert? Ist es nicht.
Vorab: Wenn du keine Ahnung davon hast, warum Barrierefreiheit für Unternehmen wichtig ist, lies dir zum Start unsere Seite dazu durch. Wenn doch: Here we go!
Was ist leichte Sprache? Was ist einfache Sprache?
Einfache Sprache und leichte Sprache sind nicht dasselbe – auch wenn die Begriffe oft synonym verwendet werden.
Einfache Sprache soll Informationen für ein möglichst breites Publikum verständlich und zugänglich machen. Sie entspricht dem Niveau B1 und reduziert sprachliche Komplexität, ohne Inhalte zu verändern. Einfache Sprache ist eine wichtige Grundlage für barrierefreie Websites und für externe Kommunikation von Unternehmen. Es geht dabei um jedes einzelne Wort. Wenn Schlüsselwörter nicht verständlich sind, kann man manchmal den ganzen Text nicht verstehen.
Leichte Sprache ist stärker vereinfachte Sprache. Sie richtet sich an Menschen mit geringer Lesekompetenz oder Lernschwierigkeiten. Sie entspricht dem Niveau A1 bis A2 und folgt festen Regeln, wie z. B. sehr kurzen Sätze mit Subjekt, Prädikat, Objekt oder Vermeidung des Genitivs. Häufig wird sie durch Bilder oder Icons unterstützt.
In Österreich bauen die Standards für Sprachniveaus auf dem “Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen” auf. Man kann sich auch an den Richtlinien des „Netzwerks Leichte Sprache“ oder der Capito-Methode orientieren.
Die Hard Facts im Überblick
- A1 und A2 sind leicht.
- A2 braucht man in Österreich für eine Aufenthaltsgenehmigung.
- B1 ist einfach und entspricht einer lockeren Unterhaltung unter Bekannten. B1 ist auch ungefähr das Niveau von Boulevardzeitungen.
- B2 braucht man in Österreich für die Staatsbürgerschaft. B2 entspricht ungefähr dem Niveau von Qualitätszeitungen.
Wer ist die Zielgruppe für einfache Sprache?
Jeder Mensch ist Zielgruppe für einfache Sprache – und alle verwenden sie. Einerseits entspricht sie meist der Alltagssprache. Andererseits ist sie gut dafür geeignet, Information schnell und überblicksmäßig zu verstehen.
Zum Hintergrund: 29 % der Menschen in Österreich im Alter von 16 bis 64 Jahren haben niedrige Lesekompetenzen. Nur 10 % verfügen über hohe Lesekompetenzen. Österreich ist dabei im OECD-Vergleich unterdurchschnittlich. (Quelle PIAAC, siehe unten). Das zeigt: Es ist für einen großen Teil der Bevölkerung wichtig, dass Informationen in einfacher Sprache zugänglich sind.
Besonders gut eignet sich einfache Sprache für Personen mit mittlerer bis niedriger Lesekompetenz. Ältere Menschen profitieren davon, wenn durch das Alter kognitive Einschränkungen entstehen. Genauso richtet sie sich an Menschen mit Lernschwierigkeiten oder mit anderer Muttersprache als Deutsch. Und der Klassiker, der wohl jeden und jede von uns irgendwann betrifft: lesen während Stresssituationen. Einfach mal den Text scannen? Fällt mit einfacher Sprache viel leichter.
Exkurs: Welche Arten von Barrieren gibt es?
Barrieren können in unterschiedlichen Bereichen auftreten:
- Beim Wahrnehmen: 2-Sinne-Prinzip
- Beim Erfassen: z. B. fremdes Alphabet, Tempo/Eile, Emotion (z. B. Diagnose beim Arzt), Lernschwierigkeiten, Situation, Stress
- Beim Vorwissen: z. B. „JPG mit 300 dpi rausspielen“ ist für viele zu sehr Fachsprache
- Bei der Vorerfahrung: zB „Gemüse anschwitzen“ im Profi-Kochbuch sagt jemandem ohne Koch-Erfahrung vielleicht nichts
Übrigens: Dokumente NICHT digital bereitzustellen, um das mühsame Erstellen barrierefreier PDFs zu umgehen, ist keine barrierefreie Lösung. Papier ist zudem nicht barrierefrei (2-Sinne-Prinzip).
Zerstört einfache Sprache die sprachliche Schönheit?
Diese Angst hört man oft im Zusammenhang mit einfacher Sprache. Aber: Schönheit liegt im Auge der Betrachterinnen und Betrachter. Ein Text in einfacher Sprache kann gerade wegen seiner direkten Klarheit besonders schön sein.
Und: Wer sich für einfache Sprache einsetzt, will komplexe Sprache nicht abschaffen. Sie hat ihre Berechtigung, gerade in Wissenschaft und Literatur. Es gibt jedoch mittlerweile auch Übersetzungen von Weltliteratur in einfache Sprache, was vielen Menschen den Zugang zu großen Geschichten erleichtert.
Wo greift einfache Sprache – und wo sind ihre Grenzen?
Einfache Sprache ist sinnvoll, wenn Informationen schnell, klar und ohne Missverständnisse kommuniziert werden sollen. Zum Beispiel in diesen Bereichen:
- auf Websites (Startseiten, Überblickstexte, FAQs, Formulare)
- in Texten für Kundinnen und Kunden
- in der Kommunikation von Behörden
- für Gesundheitsinformationen
Ein Beispiel ist die Verwendung einfacher Sprache in der Banken-Kommunikation: Dieser Bereich ist der einzige, der in Österreich gesetzlich klar mit einem bestimmten Sprachlevel geregelt ist: maximal Niveau B2. Damit wird der Komplexität der Inhalte immer noch Rechnung getragen, diese werden aber zugleich für mehr Personen zugänglich.
Die Grenzen für einfache Sprache liegen dort, wo Inhalte zwingend Fachsprache erfordern – etwa im rechtlichen Bereich, in der Technik oder Wissenschaft. Aber auch in diesen Fällen kann man den Fachtexten eine einfache Zusammenfassung beilegen.
Was bringt einfache Sprache meinem Unternehmen?
Für Unternehmen birgt einfache Sprache ein enormes Potenzial, um die eigene Marke breiter bekannt zu machen und mehr potenzielle Kundinnen und Kunden zu erreichen. Nimmt man sprachliche Barrierefreiheit ernst, verschafft man sich dadurch einen strategischen Vorteil gegenüber anderen Mitbewerbern, die das Thema vernachlässigen.
- Mehr Reichweite: Informationen erreichen mehr Menschen und damit potenzielle Kundinnen und Kunden.
- Weniger Rückfragen: Klare Kommunikation reduziert den Erklärungsaufwand. So werden Helpdesks und Callcenter entlastet.
- Bessere Usability: Websites und Services werden leichter zugänglich und bieten so eine bessere Nutzererfahrung.
- Rechtliche Sicherheit: Das Barrierefreiheitsgesetz verlangt die digitale Barrierefreiheit von Websites und Dienstleistungen. Texte sollen zudem „verständlich“ sein. Durch einfache Sprache rückt man näher an dieses Ziel.
- Inklusive Kommunikation: Sprachliche Barrierefreiheit ist kein Selbstzweck, sondern auch ein Zeichen von Respekt und Gleichstellung.
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Einfache Sprache – einige praktische Tipps
Oft kann man komplizierte Texte schon mit wenigen Schritten stark verbessern. Wir haben ein paar Tipps zusammengefasst:
- Überblick: Den Text einmal ganz lesen, um Inhalt und Struktur zu erfassen.
- Themen: Gibt es im Text mehrere Themen oder nur eines?
- Aufbau: Roten Faden definieren. Zwischenüberschriften einziehen.
- Kürzen: Text straffen, nicht zu lange Sätze verwenden, keine Schachtelsätze. Wer langsam liest, hat am Ende eines langen Satzes dessen Anfang schon wieder vergessen.
- Vokabular: Welche Wörter sind der Zielgruppe bekannt? Fremdwörter, Fachbegriffe, Akronyme, Abkürzungen, Synonyme und Wortschöpfungen vermeiden. Tipp: Im Online-Duden steht bei jedem Wort unter “Wussten Sie schon”, ob ein Wort zum B1-Wortschatz gehört.
- Sprachlich vereinfachen: Lieber aktiv als passiv, lieber Verben als Nomen. Leser:innen direkt ansprechen, wenn sie handeln sollen oder betroffen sind. Ironie, Metaphern und Wortwitz vermeiden – sie werden von vielen Menschen nicht gut verstanden
- Prüfung: Eventuell den Text durch eine Prüfgruppe aus der Zielgruppe testen lassen.
Häufige Schwierigkeiten, die beim Übersetzen auftreten können:
- Was lasse ich weg?
- Was erkläre ich zusätzlich?
- Wie interpretiere ich vielleicht ungesagte Infos zwischen den Zeilen?
Was machen wir damit?
Wir sind zertifiziert für den Einsatz von einfacher Sprache. Das bedeutet: Wir schreiben barrierefreie Texte oder überarbeiten sie mit Blick auf Verständlichkeit und Konformität gemäß sprachlicher Barrierefreiheit. Zudem beraten wir dabei, für alle Sprachlevels Texte professionell und barrierefrei zu formulieren. Wir schreiben Texte in einfacher oder leichter Sprache oder übersetzen bestehende Texte. Das ganze Drumherum eben.
Quellen und nützliche Links
- Übersicht zum Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen: Goethe-Institut – Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen
- Pathways-Kriterien: https://www.inclusion-europe.eu/wp-content/uploads/2017/06/DE_Information_for_all.pdf
- Capito-Netzwerk: Mehr Reichweite mit leicht verständlichen Texten – capito
- Empfehlenswerte Schrift: Atkinson Hyperlegible Font – Braille Institute
- PIAAC Grundkompetenzen von Erwachsenen 2022/23 Nationaler Ergebnisbericht: https://www.statistik.at/fileadmin/publications/PIAAC_1_Web-barrierefrei.pdf
Zuletzt abgerufen im Mai 2026.


