Eine starke Website tut gut!

Lesedauer: 06:59 Minuten

Wie setzt man einen Website-Relaunch mitten im zweiten Höhepunkt von COVID-19 um? Natürlich digital. Wie wir es in einem turbulenten Jahr geschafft haben, trotzdem eine der Websites umzusetzen, auf die wir bis heute ganz besonders stolz sind, erzählt dieser Case. Tut gut! Versprochen.


Eckdaten

  • „Tut gut!“ Gesundheitsvorsorge GmbHKunde
  • Johannes FiseckerProjektleitung
  • 2020-2022Umsetzung
  • Q1 2022Launch
  • 4 PersonenProjektteam

Was ist „Tut gut!“?

„Tut gut!“ ist die Gesundheitsvorsorge Niederösterreichs. Von St. Pölten aus arbeitet die Organisation daran, dass sich die Menschen im Land mehr bewegen, besser essen und auf ihre mentale Gesundheit achten. Sie bieten Programme wie die „Gesunde Gemeinde“, die „Gesunde Schule“ oder „Vorsorge Aktiv“ an, dazu die bekannten „Tut gut!“-Wanderwege und -Schrittewege und jede Menge kostenloses Infomaterial. Die digitale Drehscheibe für all das ist noetutgut.at.

Seit vielen Jahren betreuen wir die „Tut gut!“ Gesundheitsvorsorge GmbH bereits im Web-Bereich. So durften wir 2 Website-Relaunchs seit 2013 begleiten und wurden auch 2020 wieder gefragt, als es nach einigen Jahren wieder an der Zeit war.

Anforderung und Ziel

Die bestehende Website war über die Jahre gewachsen und folgte in ihrer Struktur dem Organigramm des Unternehmens. Intern praktisch, für User ein Problem. Denn die Zielgruppen von „Tut gut!“ sind enorm breit, gleichzeitig aber spitz und heterogen. Eine Lehrerin sucht Programme für ihre Klasse, ein Bürgermeister will seine Gemeinde zur „Gesunden Gemeinde“ machen, eine Pensionistin bestellt eine Wanderkarte und eine junge Mutter möchte das neueste Baby-Kochbuch. Sie alle sollten künftig in wenigen Klicks ans Ziel kommen, ohne über den internen Aufbau von „Tut gut!“ nachdenken zu müssen. Von der Innensicht zur Außensicht also.

Daraus ergab sich die Anforderungsliste für den Relaunch:

  • eine neue Struktur, die sich an den Usern orientiert statt am Organigramm
  • weniger Hierarchie-Ebenen und eine Suche, die ihren Namen verdient
  • das gratis Infomaterial als zentraler Bereich, im Prinzip ein E-Commerce-Shop ohne Bezahlung
  • die Wanderwege und Schrittewege direkt in der Website statt in einem eingebetteten iFrame, jede Route mit eigener URL
  • sauberes Tracking inklusive nachvollziehbarer Conversions

Gerade beim letzten Punkt war dem Kunden der Datenschutz besonders wichtig. Die Analyse der Website läuft deshalb über Matomo, bei dem alle Daten beim Websitebetreiber gehostet werden und auch dort bleiben.

Ausgangssituation, Herausforderung und Ablauf

Los ging es im Sommer 2020 mit einem ausführlichen Briefing. Bevor wir ins Konzept starteten, haben wir uns die alte Website ehrlich angesehen. In User-Tests ließen wir Testpersonen typische Aufgaben lösen, von „Finde heraus, was ‚Tut gut!‘ eigentlich ist“ bis zur Suche nach einer Wanderroute mit Spielplatz am Weg. Die Ergebnisse waren ziemlich aufschlussreich. Die Seite wirkte auf die Testpersonen freundlich und sympathisch, aber kaum jemand fand auf Anhieb, was er suchte. Selbst die Antwort auf die Frage, was „Tut gut!“ überhaupt ist, kostete im Schnitt mehr als eine Minute.

Mit diesen Erkenntnissen starteten wir im November 2020 in den gemeinsamen Workshop, in dem wir die neue Struktur erarbeiteten. Der Zeitpunkt: mitten im zweiten COVID-Lockdown. Der Relaunch wurde damit zum Remote-Projekt. Ein einziger Termin fand vor Ort in St. Pölten statt, alles andere lief digital – vom Workshop über Präsentationen und Feedbackrunden bis zum Testing. Das war 2020 noch deutlich weniger selbstverständlich als heute, hat aber auch hervorragend funktioniert als die Remote-Work noch in den Kinderschuhen steckte.

Dazu kam dann mitten im Projekt ein Relaunch des Corporate Designs des Landes Niederösterreich, der sich auch auf „Tut gut!“ und all unsere bis dahin entwickelten Designs auswirkte. Ein neues Logo, neue Farben, neue Schriften mussten berücksichtigt und integriert werden. Dazu adaptierte Formen vieler Elemente und Formen. Hier mussten wir noch einmal eine ordentliche Schleife ziehen und das laufende Projekt an die neue Situation anpassen.

UX und Design

Beim Design wollten wir etwas komplett Neues schaffen und „Tut gut!“ optisch moderner machen. Wir fokussierten uns darauf, mehr Frische hineinzubringen und zugleich eine Basis zu legen, die langfristig gut wirkt und sich weiterentwickeln lässt.

Die neue Optik ist bewusst reduziert: gelbe Flächen, blaue Schrift und eine eigene, vollständig handgezeichnete Icon-Welt, die inzwischen auch in den Drucksorten von „Tut gut!“ im Einsatz ist. Die ursprünglich geplanten Formen, die sich dezent, organisch und atmend bewegen, wurden im Zuge des CD Relaunchs leider wieder verworfen. Und doch kam das schönste Kompliment zum neuen, frischen Look & Feel vom Kunden selbst: „Die Seite sieht aus wie eine App“.

Die Struktur denkt von den Usern ausgehend. Die drei Fachbereiche Bewegung, Ernährung und Mentale Gesundheit bilden die inhaltliche Klammer, die Angebote sind nach Lebenswelten sortiert. So richten sich diese direkt an die NÖ Bevölkerung, an Gemeinden, Bildungseinrichtungen und Betriebe.

Großer UX-Fokus lag auch auf dem Gratis-Shop. Das Infomaterial ist der Bereich, in dem auf noetutgut .at am meisten passiert. So sind Broschüren, Wanderkarten, Kalender und vieles mehr kostenlos und versandkostenfrei bestellbar. Jedes Produkt bekam eine eigene Detailseite mit mehreren Bildern, ausführlicher Beschreibung und eigener URL. Wichtig war uns, dass die Bestellung auch für die Zielgruppen einfach funktioniert, die nicht jeden Tag online einkaufen. Und weil hier nichts verkauft wird, heißt der Warenkorb ganz einfach „Sammelkorb“.

„Die jahrelange und hochgradig zufriedenstellende Zusammenarbeit mit k25 lässt sich durch eine wertschätzende Kommunikation auf Augenhöhe, hohe Qualität und Zuverlässigkeit in der Umsetzung von Projekten, ganz einfach begründen. Der hohe Detailgrad in der Projektabwicklung sowie die von der Agentur gelebte Liebe zum Detail untermauern diese langjährige Partnerschaft.“

Foto von: Ing. Manuel Müllner, MA
Ing. Manuel Müllner, MA
„Tut gut!“ Gesundheitsvorsorge GmbH

Die Wanderwege und Schrittewege

Besondere Liebe erforderte die Umsetzung der Wanderwege und Schrittewege. Als eine der stärksten Teil-Marken von „Tut gut!“ sind die Wanderwege weit über Niederösterreich hinaus bekannt und beliebt. Uns war hier besonders wichtig, einerseits die bestmögliche User Experience zu schaffen und andererseits die technische Basis komplett neu aufzustellen.

Auf der alten Website steckten die Wanderwege in einem iFrame. Für User funktionierte das halbwegs, für Suchmaschinen waren die Inhalte unsichtbar, und auch im Tracking waren wir im Blindflug unterwegs. Auf der neuen Website sind die Wege also direkt integriert in eigenen Applikationen. Eine Schnittstelle holt die Daten aus der extern gepflegten Wege-Datenbank, die Darstellung übernimmt die Website selbst. Jede einzelne Route hat seither eine eigene URL und ist so teilbar, verlinkbar und kann über die QR-Codes der gedruckten Wanderkarten direkt erreicht werden.

Auf einer interaktiven Karte kann nach Region, Distanz, Dauer, Höhenmetern und Schwierigkeitsgrad gefiltert werden, dazu kommen Eigenschaften wie Spielplatz, Kinderwagentauglichkeit oder ein Wanderwirt an der Strecke. Die Schrittewege, quasi die kleine Schwester der Wanderwege für Bewegung im Alltag, nutzen die selben Funktionen.

Technologie und Entwicklung

Technische Basis der Website ist Typo3. Im Hintergrund arbeiten mehrere Schnittstellen: Eine REST-API verbindet die Website mit der Wege-Datenbank, eine XML-Schnittstelle übergibt Bestellungen aus dem Infomaterial-Bereich direkt an die Lager- und Versandverwaltung. Was früher per Mail im Lager ankam und dort händisch erfasst wurde, läuft seit dem Relaunch automatisch.

Auch das Backend wurde aufgeräumt und hat nun Berechtigungsgruppen für Redakteur:innen, Bildbearbeitung direkt im CMS, automatisch generierte saubere URLs und deutlich einfachere Freigabeprozesse. In einem Redakteurs-Workshop haben wir das Team von „Tut gut!“ noch vor dem Launch geschult, damit die Pflege der Inhalte bei den Expert:innen direkt liegen.

Beim Hosting übersiedelte die Website im Zuge des Relaunchs dann noch zu AWS, mit spürbar besseren Ladezeiten als Ergebnis. Angesichts der sehr hohen Seitenbesuche war das eine Grundanforderung, die sich im Rückblick bezahlt gemacht hat.

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Launch und Weiterentwicklung

Der Launch erfolgte Anfang 2022 mit etwas Verspätung im Vergleich zum ersten Zeitplan. Angesichts der enormen Größe der Website, oder eher des Informationsportals, konnten wir das Projekt nach der Übertragung sämtlicher Inhalte und einem intensiven Testing, quer über alle Browser und Devices hinweg, abschließen.

Nach dem erfolgreichen Launch begann eine Phase, die uns am zweitmeisten gefällt: die Weiterbetreuung, der Support und die Weiterentwicklung. Im Sinne unserer guten langjährigen Partnerschaft im Vorfeld wussten sowohl „Tut gut!“ als auch wir, was uns erwartete. Noch während des Relaunchs war die Liste an Ideen auf beiden Seiten gewachsen, und so ging uns in keinem einzigen Jahr der Stoff dafür aus, um der „Tut gut!“-Community weiteren Mehrwert und Möglichkeiten zu bieten, um ihre Gesundheit und Gesundheitskompetenz mit den Angeboten von „Tut gut!“ zu verbessern.

Ein paar Beispiele aus den Jahren seit dem Launch: unzählige kleine Features und Optimierungen, eine DSGVO-konforme Verwaltung der Bestelldaten im Backend, der „Tut gut!“-Schweinehund-Test, mit dem User in zwölf Fragen ihren inneren Schweinehund kennenlernen, und die Umsetzung der digitalen Barrierefreiheit. Doch diese Geschichten erzählen wir am besten in eigenen Cases.

Foto von: Johannes Fisecker

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Johannes Fisecker
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